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1

19.02.2011, 08:52

Katholisch-Presbyteranisch- Anglikanisch ?

Nun habe ich schon eine Menge über die Wirren zwischen Schottland und England gelesen und immer wieder stoße ich auch auf die konfessionellen Unterschiede.
Aber ganz kapieren tue ich es immer noch nicht.
a) die schottischen Stuart-Könige waren teils katholisch während die Schotten presbyterianisch waren.
b) aber es gibt doch auch schottische Könige, die eine Bischofskirche förderten: die waren dann doch anglikanisch gegen den schottischen Volkeswille, oder gab es auch eine bischöflich verfasste presbyterianische Kirche
c) last but not least: eine Sache ist mir immer noch nicht klar. Wie war das in den Highlands. Waren die Clans katholisch? Zumindest die Jakobiten?

Wäre kann mir diese verknoteten Fäden entwirrren oder einen Literaturtip geben ?( ?
It could be worse

2

20.02.2011, 17:05

eine bischöflich verfasste presbyterianische Kirche

... eigentlich ja eine sich wechselseitig ausschließende Organisationskultur, möchte man meinen.

Tatsächlich mündete der schottische Protestantismus in zwei große kirchliche Organisationen, die Church of Scotland = rein presbyterianisch verfasst und die Schottish Episcopal Church, eine bischöflich verfasste Variante, die sich schon 1689 von der schottisch-gesamtprotestantischen Linie abspaltete und in der anglikanischen Tradition so etwas wie eine 'synodal verfasste Bischofskirche' darstellt, sprich ein oberstes Entscheidungsgremium hat, die 'Great Synod' aus Geistlichen und Laien aber territorial in Bistümer gegliedert ist.

Wer es genauer wissen will, dem empfehle ich die Ausführungen zur Geschichte auf der Webseite der Scottish Episcopal Church; ausführlicher, trotzdem überschaubar auf wenigen Seiten kann man den Sachverhalt nicht erklären, zumal es wie eine Wellenbewegung ein mehrfaches hin und her gab.



Zitat

während die Schotten presbyterianisch waren

... auch das kann man m.E. so pauschal nicht sagen. 'Mehrheitlich protestantisch' trifft es da wohl eher, wobei es zu jeder Zeit wohl auch starke regionale Unterschiede in der Verbreitung der Church of Scotland und der Scottish Episcopal Church gab. Zugleich gab es immer auch peripher-regionale Konzentrationen katholischer Konfession, die sich teils im Widerstand zur offiziellen Linie erhielten (Western Isles und Westküste), teils ein firedlich geduldetes Nischendasein fristeten, wie zum Beispiel im protestantisch reformierten, episcopal verfassten Norden, insbes. auf Orkney.



Zitat

Waren die Clans katholisch?

Jein - alle Konfessionen sind vertreten ... und unabhängig von der Frage, welche Konfessionen in den Clans auf welcher Seite im Rahmen der jakobitischen Aufstände (wann) zu finden sind, halte ich persönlich es für eine extrem verkürzte Sichtweise, die Jakobitenfrage auf eine vordergründig religiös-konfessionelle Auseinandersetzung zu reduzieren. Wenn es ihm die schnöde Macht im Staate garantiert hätte, hätte Charlie die Konfession gewechselt wie die Unterhose.
Islander

3

20.02.2011, 19:58

Church of Scotland - Kirk

Danke für die Entwirrungen, ein bißchen klarer blick ich jetzt schon. Danke auch für den Link zur Schottischen Episkopalkirche
Doch eine - vielleicht dumme - Frage:
Die Church of Scotland - genannt KIRK - ist das nun die schottische Episkopalkirche, d.h. hat sie Bischöfe, Priester, Diakone, oder ist es die presbyterianisch- gemeindlich organisierte.
Das ist mir immer noch nicht klar
It could be worse

4

20.02.2011, 20:44

Die Church of Scotland - genannt KIRK - ist das nun die schottische Episkopalkirche, ...

NEIN - Der Eigenname 'da kirk' oder als 'The Kirk' (heute nur noch umgangssprachlich, selten in der Presse aber nicht im Kirchenjargon) steht für die (im Sinne Deiner Formulierung: gemeindlich organisierte) Church of Scotland (historisch bis etwa zur Mitte 17. Jh. offiziell 'Kirk of Scotland').

Umgangssprachlich (heute) steht 'kirk' aber auch für andere 'Scottish Presbyterian denominations'.

Aber aufgepasst: Kontextual und bis ins 17. Jh. steht 'the Kirk' im Sprachgebrauch der Protestanten bis etwa 1565 aber auch für die katholische (Roman Catholic) Church of Scotland. Wenn Du alle Schattierungen im Gebrauch zeitlich genauer wissen willst, suche bei DOST nach 'kirk' und wähle aus den im Menü links angebotenen Ergebnissen 'DOST 6. kirk, n'.

Das 'Gegenstück' ist die ('bischöflich' geführte) Scottish Episcopal Church, d.h. (einfach zu merken) sie führt das 'episcopal' auch in ihrem Namen.

... jetzt mal von anderen / zusätzlichen Begriffsinhalten von 'kirk' (high kirk, kirk session u.a.) abgesehen.
Islander

5

21.02.2011, 13:29

Um die sehr zutreffenden Ausführungen von Islander nochmal in historischen Kontext zu den Stuart-Königen zu setzen: James VI. versuchte der ursprünglich bischofslosen presbyterianischen Kirche eine Struktur zu verpassen. Dazu setzte er Bischöfe ein, die von der Mehrheit der Kirchenmitglieder nicht besonders wahrgenommen wurden.

Charles I. versuchte diese Strukturen zu stärken und verordnete der schottischen Kirche ein Gebetbuch und eine Gottesdienstordnung, die die Position der Bischöfe stärkte und typisch anglikanische Gottesdienstformen verbindlich unter Strafandrohung vorschrieb. Daran entzündete sich der Erste Bischofskrieg und die folgenden Bürgerkriege zwischen "Covenantern" (strengen Presbyterianern) und "Royalists" (gemäßigten Presbyterianern, Episkopalen und Katholiken). Nach der Restauration wurde von Charles II. die Episkopalkirche verordnet und die Covenanter unterdrückt, nach 1689 wurde die Presbyterianische Kirche wieder zur Nationalkirche. Die Episkopalkirche (Scottish Episcopal Church, Teil der Anglikanischen Weltkirche), führt seit der Zeit eher ein Nischendasein.

Charles II konvertierte auf dem Totenbett zum Katholizismus seiner Mutter. Das hatte jedoch keine direkten Auswirkungen auf Schottland oder die Kirche.

Die Tatsache, dass James VII/II zum Katholizismus übergetreten war und seine katholische Frau einen katholischen Thronerben gebar, führte zur Absetzung James' und der Thronbesteigung seiner protestantischen Tochter Mary nebst Gatten Wilhelm von Oranien. Damit sollte die Gefahr einer Gegenreformation gebannt werden.

Die späteren Stuarts (James Edward, Charles Edward, Henry) waren katholisch und damit der jedenfalls protestantischen Mehrheit in Schottland nicht zu vermitteln, obwohl sie unter den Episkopalen wohl relativ viele Anhänger hatten.

Die Clans waren alles Mögliche. Die Beteiligung an den diversen Aufständen und Bürgerkriegen hatte meist eher pragmatischen Charakter. Der Feldzug der MacDonalds unter Alasdair MacColla (1646) wurde jedoch von vielen der katholischen Teilnehmer nicht nur als Versuch, die verlorenen Familienländereien in Kintyre und Islay zurückzugewinnen sondern auch als Kreuzzug gegen die überwiegend protestantischen Campbells verstanden und von der katholischen Kirche auch so propagiert...
"I beseech you, in the bowels of Christ, think it possible you may be mistaken." (Oliver Cromwell)
http://www.montrose-de.net

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